Herren 1 mit starkem Heimsieg
Ein enges Duell mit Waiblingen entschied die MTG Wangen am Samstag für sich. Moritz Sellschopp glänzte bei seinem Debüt und Leopold Plieninger kämpfte mit Abschiedsschmerz.
„Es wäre vermessen, als Abstiegsmannschaft gegen die Tabellenvierten punkten zu wollen“, sagte Trainer Tobias Müller vor dem Spiel gegen den VfL Waiblingen in der Regionalliga. Am Samstag bewies sein Team Ausdauer, und Wangens Handballer waren ab der 50. Minute nicht mehr zu bremsen. Mit 38:32 (17:17) holten die Allgäuer in der gut besuchten Argenhalle zwei unerwartete Punkte - sehr zum Leidwesen von VfL-Trainer Tim Baumgart, der mit „der Einstellung seiner Mannschaft nicht zufrieden war.“
MTG setzt sich in der Schlussphase ab
Bis zur 50. Minute war es eine enge Kiste. Weder Waiblingen noch Wangen gelang es, sich vom Gegner abzusetzen. „Die Marschroute diese Woche war, das Spiel über die Distanz zu gewinnen. Wenn wir gewinnen wollen, müssen wir viele Tore machen und über 60 Minuten nach vorne rennen wie die Hasen. Wir müssen aggressiv auftreten in der Abwehr und dürfen nicht die gleichen Fehler wiederholen. Das ist gelungen“, freute sich Wangens Coach und lobte „trotz vieler Gegentore die sensationelle Abwehrleistung“ seiner Mannschaft, die teilweise „am Rande der Legalität war“.
Die Waiblingen Tigers reisten aufgrund von Verletzungen und krankheitsbedingten Ausfälle mit einer geschwächten Bank an. „Wir hatten uns schon mehr ausgerechnet. Mit dem Kader und den Ambitionen, die wir haben, müssten wir heute eigentlich als Sieger vom Platz gehen. Das haben wir heute nicht hinbekommen und am Ende verdient verloren“, bedauerte Baumgart, der die eigene Verteidigung kritisierte und die Stärke im Rückzug bei seinem Team vermisste.
Sellschopp mit starkem Debüt
Mit krankheitsbedingten Ausfällen hatten auch die Wangener zu kämpfen. Leopold Plieninger fiel in der zweiwöchigen Fasnetpause im Training komplett aus und Manuel Kuhnt erwischte es ebenfalls, sodass Müller sich gezwungen sah, den Rückraum mit Moritz Sellschopp aus der Reserve der MTG Wangen aufzustocken. Sellschopp brillierte bei seinem Debüt in der Regionalliga. Mit acht Toren konnte er sich nicht nur gleich hinter Aaron Mayer als bester Torschütze eintragen, sondern war auch verantwortlich für den Ausgleichstreffer zur Pause und trug mit vier Toren entscheidend zum Fünf-Tore-Vorsprung (58.) in der Crunchtime bei. Zu seinem Erfolg meinte er lapidar: „Ich bin selbst erstaunt über mich.“ Baumgart ernannte ihn nach dem Spiel zum Player of the Match mit den Worten: „Ich kenne 'Tobse' schon lange, und es war klar, dass er ein Ass aus dem Ärmel zaubern wird.“
Die Schnelligkeit Sellschopps überraschte Waiblingen und Müller war mehr als nur erfreut: „Moritz hat dem Ganzen heute die Krönung aufgesetzt. Wenn du so eine Notlösung in der Hinterhand hast, sollte einem nicht bange sein.“ Seit ein paar Wochen trainiert Sellschopp einmal in der Woche mit dem Müller-Team, bleibt aber vorerst ein wichtiger und notwendiger Spieler für die Reserve, die gerade um die Rückkehr in die Landesliga kämpft.
Plieninger schließt Rückkehr nicht aus
Der unverhoffte Sieg gegen Waiblingen brachte auch Rückenwind für die noch kommenden sieben Begegnungen im Kampf um den Klassenerhalt. Der Druck hat sich verringert und das Selbstbewusstsein ist gestärkt. „Nach zwei Wochen Pause wieder so reinzukommen ist wichtig für die nächsten entscheidenden Spiele“, sagte Plieninger, der danach wenig Zeit zum Feiern hatte, weil er am Sonntag um sechs Uhr morgens seinen Schichtdienst bei der Polizei antreten musste. Sein bevorstehender Abschied nach der Saison bei der MTG Wangen schmerzte am Samstag besonders: „Ich hätte grad heulen können, als ich gesehen habe, dass ich das nicht mehr oft erlebe nach so einem Sieg und so einem Applaus, mit den Fans zu feiern.“ Eine Rückkehr will er auf „gar keinen Fall ausschließen“, denn „mittlerweile sind wir mehr als Freunde. Eigentlich sind wir eine Familie.“
Für die MTG spielten: Hölle, Hommel (beide Tor); Fischer (1 Tor), Natterer, Pentzlin, Preuschl (6), Vonier, Hindelang (2), Mücke (1), E. Mayer (3), Straub (3), Sellschopp (8), A. Mayer (9, 4 Siebenmeter/4 Tore), Kuhnt (1), Plieninger (4), Gapp.
Bericht: Susanne Backmeister (Schwäbische Zeitung)