Kein Happy-End für Herren 1
Wangens Handballer verpassten am Samstag knapp den Sieg, nachdem sie über 50 Minuten die Begegnung mit der HSG Ostfildern dominiert hatten.
Es war ein emotionaler Nackenschlag für die Allgäuer, als HSG-Ostfildern-Spieler Janne Böhm am Samstag drei Sekunden vor der Schlusssirene sein Handballteam zum ersten Mal mit 36:35 in Führung brachte. Auf den sonst so lauten Rängen wurde es plötzlich still und Elia Mayers verzweifelter Versuch, in der letzten Sekunde das Regionalliga-Spiel noch zu retten, scheiterte an der Latte. Die HSG Ostfildern jubelte und feierte den siebten Sieg in Folge, während es Wangens Handballer und die 600 Fans auf der Tribüne nicht fassen konnten.
35:36 (18:16) aus Wangens Sicht stand am Ende auf der Anzeigetafel, und HSG-Co-Trainer Timo Flechsenhar betonte im anschließenden Halleninterview, „dass ein Sieg Wangens verdient gewesen wäre“. Dafür erntete er spontanen Applaus von den ausverkauften Rängen in der Hölle Süd.
Lob vom Trainer des Gegners
Bitterer kann eine Niederlage nicht ausfallen. Mit einer geschlossenen Teamleistung gaben die Allgäuer von Anfang an den Ton an und hielten die Gäste bereits in Hälfte eins auf Abstand. Bis auf vier Tore baute das Team von MTG-Trainer Tobias Müller seinen Vorsprung gegen den Tabellenvierten bis zur 24. Minute aus. „In der ersten Halbzeit haben unsere Spieler langsame Beine, verlieren die Nerven, spielen Fehlpässe. Das kam nicht davon, weil Wangen uns spielerisch fertig machte, sondern weil Wangen es überragend gelöst hat“, gab Flechsenhar freimütig zu.
Nach dem Seitenwechsel setzte sich das temporeiche, sehr körperliche Spiel der Wangener fort. Ostfildern kämpfte und schaffte es immer wieder, den Abstand auf ein bis zwei Tore zu verringern. Aber die MTG nahm den Fuß nicht vom Gas. Der zweite Sieg gegen die HSG Ostfildern war zum Greifen nah. Beim Stand von 35:30 in der 51. Minute bebte die Halle und die Fans feuerten die MTG lautstark an - inzwischen stehend. Janne Böhm verkürzte auf 31:35, als Wangens Trainer eine Auszeit nahm. Noch waren die Hausherren im Vorteil für die Crunchtime. Vermeintlich. Mit einem Vier-Tore-Lauf drehte Ostfildern das Spiel und brachte sich in der 59. Minute zum ersten Mal in Hälfte zwei auf Augenhöhe (35:35). Es folgte die nächste Auszeit.
Janne Böhm liefert für Ostfildern
Ostfildern setzte alles auf Janne Böhm im Rückraum, der als bester Torschütze zusammen mit Aaron Mayer (beide neun Treffer) einen Lauf hatte. Böhm im Rückraum sollte es für Ostfildern klarmachen: „Wir haben gesagt, wir spielen den Ball zweimal hin und her, und dann geht Janne zum Wurf. Alle anderen halten sich bereit. Wenn er das Gefühl hat, dass er nicht gut werfen kann, soll er sich lieber foulen lassen, damit wir keinen Gegenstoß mehr bekommen“, so die Ansage des Trainer-Duos Marco Gaßmann und Flechsenhar, als nur noch wenige Sekunden auf der Uhr standen. Und Böhm lieferte.
„Wenn ich das im Fernsehen sehe, ist es das, was den Sport ausmacht, wenn ich das mit der eigenen Mannschaft erfahre, ist es das Bitterste, was es gibt. Wir waren über 58 Minuten die bessere Mannschaft. Das ist ein Schlag, der ganz tief reingeht“, sagte Müller, der den seelischen Schmerz mit seinem Team teilte.
Es wäre einfacher, wenn man mit zehn Toren minus verliert.
MTG-Kapitän Robin Straub
Die Betroffenheit in Wangen war nach 60 Minuten groß und auch Kapitän Robin Straub fiel es sichtlich schwer, das Ergebnis zu akzeptieren: „Es wäre einfacher, wenn man mit zehn Toren minus verliert. Aber so, wenn man die bessere Mannschaft ist und es nicht schafft, den Deckel drauf zu machen, ist es frustrierend, ärgerlich und schwierig, die richtigen Worte zu finden.“
Eine sehr bittere Pille, die Wangen zudem auch den zwölften Platz in der Tabelle kostete. Durch den klaren Sieg des TSV Blaustein (31:22) gegen die TSG Söflingen übernahm der TSV am Samstag Wangens Platz in der Regionalliga.
Für die MTG Wangen spielten: Hölle, Jaeschke, Hommel (alle Tor); Fischer (2 Tore), Natterer, Pentzlin, Weber (8), Preuschl (4), Vonier, Mücke (3), E. Mayer (5), Straub (2), A. Mayer (9, 3 Siebenmeter/ 3 Tore), Kuhnt (1), Plieninger (1).
Bericht: Susanne Backmeister (Schwäbische Zetung)